Extra

Ein ausgewachsenes Gastspielhaus plus

Freitag, 20.09.2019 um 09:02 Uhr

Anzeige Der Lörracher Burghof bietet erneut ein vielfältiges Programm mit Formaten zwischen 80 und 850 Zuschauern

Erwin Bucher GmbH
Betten Renk
Lohmüller Licht & Wohnen
Gisiboden Alm
Der Kleine Möbelladen
Er wolle den Burghof „zu einem eigenständigen Erwachsenen machen und das vor dem Hintergrund einer veränderten Dynamik“ im Kulturbetrieb, skizzierte Geschäftsführer Markus Muffler zum 20-jährigen Bestehen des Lörracher Hauses 2018 sein Ziel. Die Saison 2018/19 markierte da einen Meilenstein: Ein Drittel der 94 Veranstaltungen war ganz oder fast ausverkauft, die Besucherzahl kletterte auf gut 30 000. Die Saison 2019/20 will diese Story fortschreiben und das mit einem Programm, das anknüpft an vergangene Spielzeiten und mit Formaten zwischen 80 und 850 Zuschauern operiert.

Die 90 bisher gebuchten Veranstaltungen betonen einerseits den Charakter als nobles Gastspielhaus; andererseits offenbaren sie das Bemühen um jüngeres Publikum und eigene Akzente. Dafür stehen Koproduktionen wie mit dem Theater Handgemenge, das auf Basis der Theodor-Storm-Erzählung „Der Kleine Häwelmann“ ein Schattentheater für Kinder inszeniert. Dafür stehen Eigenproduktionen wie ein dreitägiges Feature, das im Januar 2020 Frank Zappa als prägende Persönlichkeit im Musikbetrieb des späten 20. Jahrhunderts beleuchtet. Und dafür stehen grenzüberschreitende Kooperationen mit Schweizer Festivals wie Culturescapes oder Steps, für die der Burghof die einzige südbadische Spielstätte ist.

Mengenmäßig dominiert wie gehabt die Musik. Auf das Genre entfallen gut 40 Prozent des Programms. Auch die Eröffnung ist traditionell musikalisch. Heuer gestaltet sie der Berliner Sänger und Produzent Cosmo Klein mit seiner Hommage an den Soulstar Marvin Gay und dessen Hits (2. Oktober). Das klassische Segment steht nicht zuletzt im Zeichen des Beethoven-Jahres 2020. Das populäre Segment spannt weite Bögen und reicht vom experimentellen Rock und Blues mit Namen wie Hellmut Hattler, einst Bassist der Kölner Elektrorocker Kraan (8. Oktober), und der jungen Allgäuer Gitarristin Yasi Hofer (24. April) über deutsche Liedermacher und Poeten à la Wenzel (6. November) und Ringsgwandl (18. Januar), bis zu Folk, Latin und World Music und Jazz – wobei Letzterer viel Raumbekommt und sowohl Klassiker bietet wie das Pasadena Roof Orcherstra, (14. November), wie auch zeitgenössische Spielarten etwa des Pianisten Michael Wollny (24. Oktober).

Die Tanzsparte macht mit knapp zehn Prozent quantitativ zwar nur einen kleinen Teil des Programms aus, ist für das Selbstverständnis des Hauses aber zentral. Ein „Aushängeschild“ nennt es Muffler. Die neue Saison deckt ein Spektrum ab vom klassischen Ballett russischer Prägung über das körperbetonte Tanztheater amerikanischer Prägung, das die Philadelphia Dance Company vorstellt (12.März), bis zu theatralen Choreografien wie „#Je Suis“, in der die britische Aakash Odera Company des Thema Unterdrückung behandelt (23. Oktober).

Seit Jahren ein Selbstläufer ist die Kabarett, das etwa 20 Prozent des Programms ausmacht. Ein weiterer Schwerpunkt bündelt Literatur und Theater. Hier finden sich die Slams ebenso wie der Fernsehmoderator Max Moor, der begleitet vom Emil Brandquist Trio Zweigs „Schachnovelle“ liest (13. Februar) sowie ein erlesenes Theaterprogramm für Kinder und Jugendliche, das auch an Erwachsene adressiert ist. Michael Baas

Genaues Programm: http://mehr.bz/burghof19
 

Alltagsgegenstände mit geheimnisvoller Aura

„Objekte der Begierde. Surrealismus und Design 1924–heute“ im Vitra Design Museum

Ausstellungsmotiv FOTO: MUSEUM
Ausstellungsmotiv 
FOTO: MUSEUM
Die Pelztasse kommt nicht, schade. Meret Oppenheims 1936 geschaffenes „Le déjeuner en fourrure“, das als Schlüsselwerk des Surrealismus gelten darf, bleibt im New Yorker Museum of Modern Art Moma. Zu den „Objekten der Begierde“, die das Weiler Vitra Design Museum in seiner Surrealismus-Ausstellung zeigt, wird aber beispielsweise Oppenheims Krähenfußtisch „Traccia“ aus dem Jahr 1939 zählen, ganz zu schweigen von Marcel Duchamps Urform des Readymades, dem „Flaschentrockner“ von 1914.

Bildende Kunst hat bisher erst selten ihren Weg in die Räume des Design Museums gefunden. Dass es diesmal gleich so viele hochkarätige Werke sind – mit von der Partie sind unter anderem auch René Magritte,Max Ernst, Giorgio de Chirico oder Man Ray – ist nicht zuletzt den Museen zu danken, die die Ausstellung nach der Weiler Premiere zeigen und Arbeiten aus eigenem Bestand zur Verfügung stellen. Für das Konzept sind die Leihgaben unerlässlich, geht es den Ausstellungsmachern um Kurator Mateo Kries doch explizit um den Einfluss, den der Surrealismus in den letzten 100 Jahren aufs Design ausgeübt hat.

Aufgeteilt ist die Ausstellung in vier Teilbereiche. Sie startet mit einer Bestandsaufnahme, in der die 1920er bis 1950er Jahre beleuchtet werden. Basierend auf Giorgio de Chiricos Metaphysischer Malerei hatten Künstler wie Salvador Dalí damit begonnen, Alltagsgegenständen eine geheimnisvolle Aura zuzuordnen. Gleichzeitig schufen Oppenheim und Man Ray aus der Verbindung von vorgefundenem Material und scheinbar beliebigen Gegenständen neue absurde Objekte und Skulpturen.

Im zweiten Teil der Ausstellung, die am 28. September öffnet und bis 19. Januar dauert, geht es um die Loslösung aus dem gewohnten Kontext und die Entfremdung, wie sie sich etwa in Constantin Grcics „Coathangerbrush“ (1992), einem gewöhnlichen Kleiderbügel mit integrierter Kleiderbürste, niederschlagen. Es folgen Liebe, Erotik, Sexualität, für die zum Beispiel das oft gezeigte lippenförmige Sofa „Bocca“ des Turiner Studios 65 steht. Die Ausstellung endet mit dem Interesse am Archaischen, am Irrationalen. Aufgenommen hat das etwa „Porca Miseria!“, die scheinbar explodierende Leuchte des Designers Ingo Maurer. Annette Mahro

Weitere Artikel

  • Anzeige Extra

    Reiz der Abwechslung

  • Um Malerei, Knöpfe und Textilien, aber auch um Weiler Spuren in der Welt oder um den Nationalsozialismus und badische Kunst geht es in den Ausstellungen von Museen in der Region. Ein Überblick.
  • Anzeige Extra

    Schildgasse im Gewerbegebiet Rheinfelden

  • Vom heutigen Freitag bis Sonntag, 20. bis 22. September, findet die diesjährige Herbst-Leistungs- und Gewerbeschau im Gewerbegebiet Schildgasse in Rheinfelden statt. Unter dem Motto